BVIB “Ponyhof” – März 2020 – Berlin und weltweit

BVIB “Ponyhof” – März 2020 – Berlin und weltweit

Klarstellung: Der folgende Text ist in keinster Weise in der Absicht eines Angriffes oder Vorwurfes entstanden. Die Formulierung „Wir wünschen uns …“ wurde ganz bewusst gewählt, um Kolleg*innen beim Lesen die Möglichkeit zu geben, sich in einer Gemeinschaft wiederzufinden, die unser aller Arbeit wertschätzt und im Sinne einer professionellen Haltung reflektiert.

In Anbetracht der momentanen Ausnahmesituation durch die Corona-Krise hat der BVIB etwas Interessantes angestoßen: „Vielleicht fangen wir doch noch mal an zu träumen und nutzen diese Krise und das Innehalten, das sie trotz allem mit sich bringt, für Positives.“ Unter dem Stichwort „Ponyhof“ werden Gedanken und Ideen zu Aspekten wie z. B. Versorgung, Bürokratieabbau, Kursgröße, Finanzierung und Mitsprache in Bezug auf die Durchführung von BAMF-Sprachkursen gesammelt, wobei Träumen ausdrücklich erwünscht ist. Wir haben uns anstecken lassen von dieser Anregung und notiert, wie unser Ponyhof aussähe, und zwar in Bezug auf die Haltung von Lehrenden und im Hinblick auf die Fortbildung von Lehrenden:

Haltung von Lehrenden

Wir wünschen uns Lehrende, die bereit sind, Flexibilität und Offenheit zu üben. Wir wünschen uns Lehrende, die ihren Lernenden vorurteilsfrei begegnen. Wir wünschen uns Lehrende, die bereit sind, an sich zu arbeiten. Wir wünschen uns Lehrende, die darauf verzichten können, belehrend zu sein. Wir wünschen uns Lehrende, die ihren Lernenden mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen. Wir wünschen uns Lehrende, die ihre Kolleg*innen nicht als Konkurrenz, sondern als Gemeinschaft begreifen. Wir wünschen uns eine Lernsituation, die für alle Beteiligten zu Freude und Gewinn wird. Wir wünschen uns Lehrende, die Fehler eingestehen und ihre Meinung ändern können. Wir wünschen uns Lehrende, die Spaß an ihrer Arbeit haben. Wir wünschen uns Lehrende, die davon überzeugt sind, dass sie sich stetig professionell weiterentwickeln können. Wir wünschen uns Lehrende, die bereit sind, ihren Horizont zu erweitern und Neues auszuprobieren. Wir wünschen uns Lehrende, die Freude an Heterogenität haben. Wir wünschen uns Lehrende, die gut ausgebildet sind und auf ihre praktische Tätigkeit vorbereitet werden. Wir wünschen uns Lehrende, die es aushalten, nicht jeden Fehler zu korrigieren. Wir wünschen uns Lehrende, die verstehen, dass Lernen mühsam ist. Wir wünschen uns Lehrende, die Lernende auch mal in Ruhe lassen können. Wir wünschen uns Lehrende, die motivieren und aktivieren. Wir wünschen uns Lehrende, die unangenehme Lernsituationen überstehen, ohne Schaden zu nehmen, die Lust zu verlieren oder ihre Arbeit nicht mehr zu mögen. Wir wünschen uns Lehrende, die wissen, wie wertvoll und verantwortungsvoll die Tätigkeit ist, die sie ausüben. 

Fortbildung von Lehrenden

Wir wünschen uns, dass Fortbildungen für Lehrende einen festen Platz im Berufsalltag bekommen. Professionalisierung ist aus jeder Perspektive wünschenswert: unsere Lernenden profitieren davon, wir selbst profitieren davon, und unsere Auftraggeber*innen und Arbeitgeber*innen ebenso. Es braucht Evaluation und Transparenz, um die Bedarfe der Branche zu ermitteln und Angebote passgenau konzipieren zu können. Wir wünschen uns, dass wir Unterstützung für Fortbildung vonseiten unserer Arbeitgeber*innen und Auftraggeber*innen erfahren: das kann in verschiedener Form geschehen, z. B. durch Geld, Zeit und Zuspruch. Wir wünschen uns aber auch Engagement von Lehrenden, die die anspruchsvolle Aufgabe haben, regelmäßig Menschen zu unterrichten. Wir wünschen uns, dass sie verstehen, wie wichtig die Weiterentwicklung ihrer Kompetenzen ist, und wie notwendig es ist, das eigene Unterrichten und Wirken immer wieder aufs Neue zu reflektieren. Wir wünschen uns Lehrende, die sich Zeit nehmen für Weiterbildung und die bereit sind, Neues zu lernen und auszuprobieren. Wir wünschen uns ausreichend Zeit für die Fortbildung und die Beratung von Lehrenden. Wir wünschen uns, dass Fortbildung den Stellenwert hat, der Menschen dazu bewegt, Zeit, Engagement und Kosten zu investieren, um ihre Fachkenntnis und ihre Handlungskompetenz zu erweitern. Wir wünschen uns, dass Lehrende, die von professioneller Beratung profitieren können, sich diese gönnen. Wir wünschen uns, dass Arbeitgeber*innen und Auftraggeber*innen es honorieren, wenn ihre Mitarbeiter*innen und Kolleg*innen sich weiterbilden. Wir wünschen uns, dass Lehrende trotz Krisen zuversichtlich bleiben, dass es auch nach der Krise weiter Arbeit, Unterricht und Fortbildung geben wird, und dass die Zeit, wie ungewöhnlich sie vorübergehend sein mag, genutzt werden kann, um aktiv etwas für die eigene PERSPEKTIVE KOMPETENZ zu tun.